Urlaub in Rheinzabern

Römische Traditionen seit 2000 Jahren

Wer oder was ist Rheinzabern? Ohne die Teddybärenausstellung wären wir wohl nie dahinter gekommen. Aber jetzt steht fest: Rheinzabern ist ein wunderschönes Dorf in Rheinland-Pfalz (nahe Karlsruhe).
Anreisetag
Aus Anlass der Bärenausstellung im Terra-Siggilata-Museum in Rheinzabern machten wir uns also erstmals am 8.November 2001 auf den Weg in den Südwesten Deutschlands. Neu war auch eine Reise mit dem bequemen Inter-City Express (ICE) unserer Deutschen Bahn.

Die Kirche von Rheinzabern ragt über den vielen Fachwerkhäusern hinaus und kennzeichnet die Mitte des Dorfes.
Die Kirche von Rheinzabern ragt über den vielen Fachwerkhäusern hinaus und kennzeichnet die Mitte des Dorfes.

Ja, man kann über den Komfort nicht meckern. Wir waren froh über die Platzkarten, denn die Züge waren voll besetzt. Man kommt sich vor wie mitten im Berufsverkehr. Nach fünfeinhalb Stunden Fahrt holte uns schon der liebe Roland in Karlsruhe ab. Die Pfalz ist ja eigentlich für schönes Wetter bekannt, nicht aber so an unserem Anreisetag. Es schüttete Kübelweise, 30 Liter pro Quadratmeter, Roland hat es gemessen. Vielleicht ist das so ein Begrüßungsritual von den Pfälzern? Im Dorf angekommen ging es erst einmal in unsere Pension, die "Bäckerei Fischer". Ja, richtig gehört! Hatten wir es gut getroffen, es duftete nach frischen Bäckerspezialitäten. Die Zimmer waren auch sehr schön, eigenes WC mit Dusche und TV, was will man mehr? Nach einer kleinen Erholungspause waren wir bei Peter und Roland zum Kaffee eingeladen, sie wohnen nicht weit von der Pension entfernt. Die Beiden sind unsere Gastgeber. Peter Hamburger ist der Vorsitzende des Terra-Siggilata-Museum e.V. und Roland ist ebenfalls für das Museum tätig. Die beiden sind sehr lustig. Wir merkten schnell, dass wir uns auf einer Wellenlänge befanden. Es gab leckeren Kuchen. Das Fachwerkhaus der beiden ist eine Augenweide, von außen wie von innen. Christa kam richtig ins schwärmen. Schade nur, das nicht alle dieser alten Häuser unter Denkmalschutz stehen. Auch heute noch werden einige dieser alten Häuser abgerissen, man kann es nicht verstehen! Sofort viel uns die Sammelleidenschaft der Beiden ins Auge. Eine riesen Sammlung von feinem Geschirr, über Kühe in allen Varianten, Bilder und ....... Kaum zu beschreiben, wenn man es nicht gesehen hat. Besonders schön ist die große alte Wohnküche, man fühlt sich wie bei Muttern! Und neuerdings sammeln die beiden auch Bären!!! Wer sie dabei wohl angesteckt hat? Christa war schon ganz aufgeregt und wollte natürlich ihre Bären sehen, die bereits im Museum auf uns warteten. Aber da mußte sie sich noch eine Weile gedulden, denn Peter war noch auf Arbeit. Aber dann wurde sie endlich erlöst. Als Peter kam, dauerte es nicht mehr lange, denn auch er wollte Christa die Bären zeigen.

Die Fachwerkhäuse von Rheinzabern haben eine lange Tradition. Schon vor 2000 Jahre wurde sie von den Römern erbaut.
Die Fachwerkhäuse von Rheinzabern haben eine lange Tradition, viele sind aus dem 17. Jahrhundert. Schon vor 2000 Jahre gab es Siedlungsspuren von den Römern, noch erhaltene Kellergewölbe zeugen von der hohen Baukunst der Römer.

Die Ausstellungsplakate mit den alten Bären, sind oft im Dorf zu sehen. Im Museum angekommen, war Christa über die Menge der Bären überrascht, ihr fast kamen die Tränen vor Freude! Es waren tatsächlich ihre Teddybären dort in den Vitrinen, die liebevoll in Szene gesetzt worden waren. Die Vitrinen wurden in einzelne Themenbereiche eingeteilt, wonach die Bären dann sortiert und liebevoll hineingesetzt wurden. Gleich in der ersten Vitrine entdeckte Christa ihren Kindheitsteddy Max und den Teddy Herzke, den sie vor langer Zeit von einer lieben Nachbarin geschenkt bekam. Jetzt wurde erst einmal alles fotografiert und gefilmt, denn zur Eröffnung wird man nicht die Gelegenheit dazu bekommen. Es war für Christa und auch für die anderen unbeschreiblich schön. Zumal aus Berlin nochmals 13 Bären im Gepäck mit anreisten. Aber alle fanden noch einen Platz in den Vitrinen. Als besondere Überraschung war die Schauwerkstatt der Firma Clemens zu sehen. Dort wird die Entstehung eines Teddybären gezeigt. Zuerst das Austanzen der Zuschnitte, das Zusammennähen von links, das Wendes des Stoffes, das Stopfen, das Einsetzten der Scheibengelenke, das Zusammennähen der einzelnen Teile, das Einsetzten der Augen und Ohren.... So kann man sich ein Bild von der Herstellung eines Teddybären machen. Peter führte uns noch durch die beiden anderen Räume des Museums. Terra-Sigillata (versiegelte Erde) hat, wie der Name schon verrät, mit der Töpferkunst zu tun. Die Geschichte von Rheinzabern hat sehr viel mit der römischen Töpferkunst vor 2000 Jahren zu tun. Noch heute kann man in Luftaufnahmen die Route der alten römischen Handelsstrasse erkennen. Es handelt sich dabei um Ausgrabungen innerhalb des Ortes und Beutefunde aus dem Rhein. Eine sehr interessante Darstellung all dieser Funde. Als Abschluss des Tages ging es nochmal zu den beiden nach Hause, wo Roland schon mit dem Abendbrot wartete. Natürlich wurde noch eine ganze Menge erzählt.

Ein Blick über Speyer.
Ein Blick über Speyer.

2.Tag
Jetzt ging es darum, die Umgebung zu erkunden. Was liegt da näher, als nach Speyer zu fahren? Hier fand u.a. die Trauerfeier für Hannelore Kohl statt. Mit der Regionalbahn dauert es eine halbe Stunde. Speyer ist sehr Touristen tauglich, schließlich bezahlt man für ein Busticket 1 DM und kann damit den ganzen Tag in Speyer die Öffentlichen Verkehrsmittel benutzen. Der Dom ist sehr schön und auch sehr laut, denn ein Teil von ihm wird gerade restauriert und man kann daher nicht den ganzen Dom besichtigen. Natürlich mußte Christa gleich wieder Postkarten kaufen. Anschließend ging es zum Technik-Museum Speyer. Hier kann man Automobile, Flugzeuge, Eisenbahnen und U-Boote in Originalgröße auch von innen besichtigen. Der Eintritt von rund 20 DM pro Person (erm. 13 DM) ist wegen der Anzahl der Exponate durchaus berechtigt. Auch Erich Honecker traf man in seiner Regierungsmaschine an. Uns taten nach dem Rundgang die Beine weh und wir mußten uns erst einmal ausruhen. Dazu nutzen wir das Restaurant, indem wir uns auch stärkten. Danach ging es weiter zum Wilhelmsbau. Dort findet zur Zeit eine Ausstellung statt, die neben Mode der früheren Zeiten, eine Sammlung von Puppen aus aller Welt, mit wunderschönem Zubehör, Musikautomaten u.v.a. zeigt. Eine durchaus interessante Sache.



Kurz vor der Heimreise am Abend ging es noch auf die Shoppingmeile Speyers. Christa entdeckte noch ein Buch-Antiquariat, bei dem sie ein altes Kinderbuch kaufte. Sie kam mit dem Inhaber ins Gespräch und auch die Teddybärenausstellung in Rheinzabern war ein Thema. Er interessierte sich für ein Plakat der Ausstellung, um es auszuhängen. Das wurde natürlich prompt erledigt.

Im Technikmuseum Speyer gibt es Original Dampflokomotiven zu sehen.
Im Technikmuseum Speyer gibt es Original Dampflokomotiven zu sehen.

Abends wieder angekommen ging es zu Roland und Peter. Sie hatten uns zu Pfälzer Spezialitäten eingeladen. Es gab Pfälzer Saumagen, mit Sauerkraut und Krummbirnen (Kartoffeln). Als Zugabe kamen noch Leberknödel. Der Saumagen ist sehr appetitlich, auch die Leberknödel waren lecker, nur leider waren unsere Mägen zu klein. Die Berliner essen halt nicht so viel wie die Pfälzer. 3.Tag
Heute war es soweit: Christas Teddy-Ausstellung wird um 16.00 Uhr eröffnet. Vormittags gingen wir noch durch das Dorf. Winterlich kalt, aber trocken und viel Sonnenschein. Was will man mehr? Am frühen Nachmittag dann Treffpunkt im Museum, denn Christa war natürlich aufgeregt. Es wurde extra für die Bären-Austsellung eine Berlinfahne aufgehangen! Berlin grüßt die Pfalz!!! Und dann war es soweit: 10.November, 16 Uhr - Der Saal voll von Menschen, Bärenbegeisterte und Presse anwesend. Dann ging es los. Eine Bärenstimme leitete die Eröffnung ein. Peter und Christa agierten in einem gemeinsamen Dialog über die Exponate und die Ausstellung selbt. Erstaunlicher Weise waren die Leute sehr konzentriert. Wir haben uns sagen lassen, dass die Pfälzer noch nie so ruhig waren, wie bei diesem Dialog. Die Pfälzer ebend! Nach gut einer Stunde Einführung dann die Überraschung. Die Firma "Clemens" - an dieser Stelle einen lieben Gruß an Herrn Clemens, der leider wegen Krankheit verhindert war - produzierte extra für die Leihgeberin, also Christa, einen speziellen Teddybären. Aber nicht irgendeinen Bären, nein, ein Unikat! Denn Christas Name ist dort eingestickt und die Nummer "0/1". Die Überraschung war mehr als gelungen. Die Freude war groß und Christa mußte die Fassung bewahren. Die Leute freuten sich mit ihr. Was für eine Atmosphäre! Das haben wir noch nicht erlebt. Es gab viele nette Gespräche, mitgebrachte Bären wurden gezeigt und vor alle gefachsimpelt. Dann kam das Buffet, zwar mit Verspätung aber wir sind halt auf dem Dorf. Leckere Bäckerspezialitäten und dazu ein Gläschen Sekt. So wie es sich dem Anlass entsprechen gehört. Christa traf dort auch ihre Email-Bekanntschaft "Bärenliebe" Karin, mit Mann Eberhard und Freundin. Was an dieser Stelle noch besonders erwähnt sein sollte ist die Tatsache, dass Peter endlich einmal mit Krawatte gesichtet wurde. Aufmerksam beobacht, wurde diese bei der kleinsten Bewegung von Roland wieder gerade gerichtet. Es muß ja perfekt aussehen. Abends ging es mit einem kleinen Teil noch zum Gasthof "Zur Sonne". Ein nettes Lokal mit freundlicher Bedienung und riesigen Portionen. Peter "linkte" uns alle und bestellte erst zuletzt - einen Seniorenteller und grinste dabei! Das war ein anstrengender Tag für uns alle. Aber es hat sich gelohnt.

Das Technikmuseum in Speyer.
Das Technikmuseum in Speyer.

4.Tag
Es war Sonntag. Na klar, ein Sonntag ohne Flohmarkt ist kein Sonntag für Christa. Darum schickten wir sie mit Roland und Peter nach Landau auf den Flohmarkt, wo sie tatsächlich noch Bären für die Ausstellung ergatterte. Dabei hatten wir Peter und Roland noch gebeten, ihr alle Bären vor der Nase wegzuschnappen. Dietmar und Stefan waren unterdessen bei netten Bekannten eingeladen, die wir auf der Eröffnungsveranstaltung kennengelernt haben. Die beiden zeigten uns ihr Grundstück im Nachbarort. Sie sammelt Puppen und er ist ein begeisterter Motorrad-Fan. Es ist unbeschreiblich, welches Ausmaß die Sammelleidenschaft annehmen kann. Als die anderen vom Flohmarkt kamen gab es noch einen Arabischen Kaffee und dann ging es unter Zeitdruck ins Museum. Denn schließlich war heute der 1.Öffnungstag. Von 13:30 Uhr bis 17 Uhr kamen über 100 Besucher zur Ausstellung. Das ist eine sehr gute Zahl und freute uns alle, denn schließlich haben wir alle mitgeholfen. Man kann auch Bären der Firma Clemens dort käuflich erwerben und natürlich auch weihnachtliches Zubehör für die Bären- oder Puppenstube.

Im Technikmuseum gibt es auch Flugzeuge in Originalgröße zu erleben.
Im Technikmuseum gibt es auch Flugzeuge in Originalgröße zu erleben.

Abends ging es wieder in die "Sonne". Die Atmosphäre dort ist sehr schön und die Gastwirtin ist sehr gastfreundlich. Natürlich kamen die Frauen sofort ins Gespräch, wie soll es auch anders sein. Leider hieß es dann auch schon Abschied nehmen von Peter, denn er mußte ja am Montag wieder arbeiten. Zum Glück war der Abschied ja nicht für immer.

Der Wilhelmsbau in Speyer.
Der Wilhelmsbau in Speyer.

Abreisetag
Am Montag war der Urlaub in Rheinzabern leider schon zu Ende. Zum Frühstück reichte uns die Bäckerin gleich eine Zeitung mit einem Artikel über die Eröffnung der Teddyausstellung. Roland fuhr uns nach Karlsruhe zum Bahnhof. Dabei zeigte er uns noch einmal die Stadt (u.a. den Bundesgerichtshof). Auch hier hieß es dann Abschied nehmen. Auf dem Bahnhof angekommen, sofort die erste Hiobsbotschaft. Zugverspätung! Aber glücklicher Weise paßte alles und wir erreichten unseren Anschlußzug. Abend um halb sechs waren wir wieder in Berlin. Es war sehr anstrengend, aber auch wunderschön. Am 1.Advent geht es für Christa und Dietmar wieder nach Rheinzabern. Dann ist Anneresl-Markt. Das ist der bekannte Weihnachtsmarkt in Rheinzabern. Natürlich geht es dann auch wieder in Museum zun den Bärenkindern...


Original von www.juber.de